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mapa CHURCH PENSION
Husùv Dùm (Jan Hus House)
Jungmannova 9/22
CZ - 110 00 Praha 1

Phone: +420 296 245 432
Fax: +420 224 999 238
E-mail: churchpension@e-cirkev.cz







Accommodation by Christians in EU
913748 visitors

Mehr als nur Bett und Brot

Eine christliche Pension im Herzen Prags: das "Jan-Hus-Haus"


"Is it clean here", fragen die beiden Amerikaner und lugen etwas ängstlich ins Zimmer. "Yes, sure, it's very clean", kann ich die beiden beruhigen und als sie einen Blick in mein Bad werfen dürfen, atmen sie erleichtert auf und folgen dann Miloslav Storek auf seinem weiteren Rundgang durch die Church Pension.

Vielleicht gehören die ältere Lady und ihr Begleiter bald zu den Gästen, die von Jirina Storkova und Miloslav Storek mit einem herzlichen "Willkommen in Prag" im "Husuv dum" (Jan-Hus-Haus) begrüßt werden.

Seit drei Jahren leitet das Ehepaar die Pension im Herzen der Prager Altstadt, die vor allem Christen Unterkunft bieten will. Doch ein Religionszeugnis muss niemand vorlegen, der an die Tür der Jungmannova 9 klopft. Im vierten, fünften und sechsten Stock eines Prager Altstadthauses gelegen, bietet die Pension in 19 Zimmern insgesamt 40 Gästen Platz.

Neben der freundlichen Bewirtung und den vergleichsweise günstigen Preisen ist die Lage des Hauses Trumpf. Zu Fuß können alle Sehenswürdigkeiten der Prager Altstadt wie der Wenzelsplatz, die Karlsbrücke, die Bethlehemskapelle oder das jüdische Viertel erreicht werden. Die Metro-Station befindet sich um die Ecke und auch zu den beiden großen Bahnhöfen Prags ist es nicht weit.

Das Haus mit dem Namen des tschechischen Reformators spiegelt die Geschichte der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder (EKBB) wider. Als sich Lutherische und Reformierte 1918 zur EKBB zusammenschlossen, erwarb die junge Kirche das Prager Haus. Zur Übernachtung diente es immer schon: Pfarrern und Superintendenten, die dienstlich nach Prag kamen, ausländischen Kirchendelegationen, die in Prag tagten, oder einzelnen Christen, die Unterkunft suchten.

80 Jahre lang war die Evangelische Theologische Fakultät in dem aus einem Vorder- und einem Hinterhaus bestehenden Gebäude untergebracht.

Nach dem 2. Weltkrieg befand sich das Zentrum der Christlichen Friedenskonferenz im "Husuv dum" und nach der sanften Revolution 1989 bezogen die ökumenische und die evangelische Diakonie vorübergehend Quartier in den Räumen. Heute nutzen der Synodalrat der EKBB, das Hyronimuswerk, die christliche Buchhandlung Kalich (Kelch) sowie das Theater Kalich das Jan-Hus-Haus.

So sind die Pensionsgäste in das Leben der evangelischen Minderheitskirche in Tschechien mit einbezogen. Gäste, deren Interesse an der Brüderkirche geweckt wurde, können auch in der kleinen Bibliothek der Pension Geschichte und Gegenwart der evangelischen Tschechen studieren.

Hier finden sich von der EKBB herausgegebene Bücher und Hefte, aber auch touristische Tipps für Besuche in evangelischen Gemeinden außerhalb Prags, sowie Adressen von christlichen Pensionen in ganz Europa. Denn die Storeks wollen ihren Gästen mehr bieten als nur Bett und Brot. Sie beraten Ortsunkundige gerne bei der Planung ihres Pragaufenthaltes, vermitteln Stadtführungen, Schiffsausflüge, Eintrittskarten und Reservierungen in Restaurants. Sie empfehlen Ausflüge in die Umgebung, Reiseziele und Unterkünfte bei evangelischen Gemeinden in Böhmen oder Mähren. Storeks arbeiten als Angestellte der EKBB, die Einnahmen aus der Pension kommen entweder der Brüderkirche zugute oder sie werden in den weiteren Ausbau der Pension investiert. Miloslav Storek plant beispielsweise den Einbau eines Behinderten-Aufzuges, auf dem Dach würde er gerne ein Terrassencafè und im Keller eine Weinstube einrichten.

Das schweizerische Hilfswerk HEKS, das sich bereits an dem Ausbau der Pension finanziell beteiligt hat, signalisierte Zustimmung zu Storeks Plänen, jetzt muss noch der Synodalrat der EKBB grünes Licht geben.

Für das Ehepaar Storek ist die Leitung der Pension mehr als nur ein 8-Stunden-Job - und nicht der einzige Beruf, den der 56-Jährige Miloslav Storek und die 57-Jährige Jirina Storkova in ihrem Leben ausgeübt haben. "Wir haben die Schulbank zusammen gedrückt und für mich war sie die Schönste in der ganzen Klasse", erzählt Storek.

Als Ehepaar hätten sie sich aber erst gefunden, als sie sich anlässlich des dreißigsten Abiturjubiläums wieder begegneten. Aus einem Jahr "Probezeit" seien mittlerweile 13 gemeinsame Jahre geworden, berichtet er mit einem zärtlichen Lächeln. Storkova, die er manchmal scherzhaft die Direktorin nennt, hatte als Verwaltungschefin in einem großen Prager Restaurant gearbeitet und verlor durch die Privatisierungswelle nach der Wende ihre Arbeit.

Ihr Mann ist gelernter Glasmeister, war aber auch als Lehrerzieher, Gaststättenleiter, Tanzlehrer und zuletzt Chauffeur von insgesamt vier Synodalsenioren, den "Bischöfen" der EKBB, tätig.

Nach einer schweren Operation durfte er nicht mehr Auto fahren. Als sich die Chance bot, das "Husuv dum" zu leiten, griffen die Storeks zu. Unterstützung bei ihrer Arbeit bekommen sie demnächst durch eine Angestellte, die auch englische und französische Anfragen beantworten kann.

Miloslav Storek spricht zwar deutsch, aber trotzdem hat er es am liebsten, wenn man sich schriftlich anmeldet. Das geht auch per e-mail, denn das "Husuv dum" verfügt über moderne Computer-Technik. Sogar Internet-Seiten hat Storek einrichten lassen, aber er überlegt, ob er diese nicht wieder schließen soll. Das Internet sei ein ziemlich anonymes Werbemedium, meint er. Er hoffe eher, dass die Existenz der Church Pension unter dem Motto "Christen bieten Christen Unterkunft" durch kirchliche Zeitungen, Mundpropaganda und die Empfehlungen kirchlicher Institutionen noch weiter bekannt werde.

Sabine Dörfel

Der ungehorsame Priester

Prager Spaziergänge auf den Spuren von Jan Hus

http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/22.09.2002/223716.asp


Von Christian Scharf

Wer die Einsamkeit sucht, sollte nicht unbedingt nach Prag fahren. Die Stadt ist praktisch jederzeit voll von Menschen aus aller Welt. Ein besonders beliebter Treffpunkt für Einheimische und Gäste der Stadt gleichermaßen ist dabei das monumentale Jan-Hus-Denkmal am Altstädter Ring. Zwischen den markanten Kulissen der Teynkirche, der Altstädter Nikolauskirche und des Altstädter Rathauses dominiert die Skulpturengruppe mit der Gestalt des Kirchenreformators Hus als exponierter Einzelfigur den zentralen Platz.

Aber kaum einer, der sich im Schatten des Denkmals niederlässt, um nach Besichtigungen oder Einkaufsbummel eine Pause zu machen oder einfach dem Treiben der Menschen zuzuschauen, erahnt heute noch die politische und emotionale Bedeutung, die das Kunstwerk bei der Entstehung 1915 für die "tschechische Sache" hatte.

Scheiterhaufen in Konstanz

Das Denkmal für Jan Hus entstand während des Ersten Weltkriegs und damit auf dem Höhepunkt des tschechischen Strebens nach einem eigenen Nationalstaat - genau 500 Jahre nach Hus' Verbrennung auf dem Scheiterhaufen in Konstanz. Der böhmische Priester hatte mit seinen Predigten und Schriften den Ablassverkauf und die Korruption in der katholischen Kirche angeprangert. Er hatte tschechische Texte und Gesänge in den Gottesdienst eingeführt und die Kirche zur Volkskirche gemacht.

Mit seinen Predigten in Prager Gotteshäusern zog er viele Gläubige in seinen Bann. Je größer seine Anhängerschaft wurde, umso mehr wurde er für die Kirchenobrigkeit zu einer Bedrohung für die bestehende Ordnung. Doch seine Hinrichtung als Ketzer war lange nicht das Ende des Widerstandes gegen Rom. Danach begannen die Hussiten- kriege.

Die Konfessionsfrage spielte in Böhmen und Mähren übrigens lange Jahrhunderte eine Rolle bei der Frage von Macht und Unterdrückung, bei der Nationalitätenfrage zwischen Deutschen und Tschechen. Auch heute noch ist Hus für die Tschechen eine entscheidende Figur ihrer Nationalgeschichte, und die evangelische Kirche des Landes beruft sich auf diese hussitische Tradition. Außerdem gibt es auch eine zwischenKatholiken und Protestanten angesiedelte Hussitische Kirche als spezielle nationale tschechische Glaubensrichtung. Hauptkirche dieser modernen Hussiten ist übrigens die Nikolauskirche am Altstädter Ring, wo die Touristen in der Sonne sitzen.

Aber auch in Bezug auf die spätmittelalterlichen Wurzeln der Hussiten und die Glaubenskriege in Böhmen ist dieser Platz in der Mitte der Prager Altstadt genau der richtige Ausgangsort für einen besonderen Spaziergang auf den Spuren von Jan Hus. Fürs erste reicht sogar einfach ein Rundblick direkt vom Hus-Denkmal aus.

So war die mächtige gotische Teynkirche, die mit ihren beiden 80 Meter hohen Türmen sogar das Rathaus überragt, Hauptkirche der Utraquisten, der gemäßigten Hussiten. Weil sie die Kommunion in beiderlei Gestalt mit Brot und Wein vollzogen, war ihr Zeichen ein großer goldener Kelch, der zwischen den Türmen befestigt war. In der Phase der Gegenreformation wurde dieses Markenzeichen der Hussiten entfernt und durch die noch heute dort sichtbare Marienstatue ersetzt. Das Gold für ihren Strahlenkranz stammte von dem eingeschmolzenen Kelch, was damals sicher nicht gerade zur Entspannung zwischen den Glaubensrichtungen beitrug.

Das Altstädter Rathaus suchen die meisten Gäste Prags wegen der berühmten astronomischen Uhr auf, die schon zu Hus' Zeiten entstand. Doch auch im Zusammenhang mit der böhmischen Reformation war das Rathaus ein wesentlicher Schauplatz. So wurde hier 1421 der Sprecher der radikalen Hussiten, der Benediktiner Johann von Selau, Prediger an der Maria-Schnee-Kirche, im Schnellverfahren verurteilt und geköpft.

Und zur Zeit der Gegenreformation, 1621, wurden im Schatten des Rathauses 27 Adelsherren und Bürger hingerichtet, die für den Aufstand der Protestanten gegen das katholische Habsburg und den damit einher gehenden Fenstersturz der kaiserlichen Beamten auf dem Hradschin verantwortlich gemacht wurden. 27 weiße Kreuze markieren im Pflaster, wo das Schafott stand. Über die Husova ulice erreicht man in wenigen Minuten den Platz "Betlémské Namesti". Hier befindet sich die in den fünfziger Jahren nach alten Plänen wieder errichtete Bethlehemskapelle.

Für die Reformbewegung war dieses 1394 vollendete Kirchengebäude das geistige Zentrum und erreichte vor allem durch das Wirken von Jan Hus von 1402 an Berühmtheit. 3000 Menschen fasste die "Kapelle", und viele kamen mehrmals jeden Tag, um den Predigten in tschechischer Sprache zu lauschen. Durch ein päpstliches Interdikt (dem Verbot aller kirchlicher Tätigkeiten) gezwungen stellte Hus seine Arbeit als Geistlicher ein. 1521 konnten in der Bethlehemskapelle übrigens auch Predigten des deutschen Reformators Thomas Münzer gehört werden. Der heutige Bau hat musealen Charakter und er wird auch als Kirche genutzt. Von der alten Bausubstanz sind noch gotische Fensterrahmen und ein Portal geblieben.

Keine fünf Minuten entfernt - nahe der U-Bahn-Station Mustek in der Martinská - befindet sich die Kirche "St. Martin in der Mauer". Seinen Namen hat die kleine Kirche, weil sie zeitweise in die Befestigung der Altstadt integriert war. Heute ist St. Martin Sitz der deutschsprachigen evangelischen Kirchengemeinde, die übrigens sogenannte Hus-Spaziergänge für Gäste der Stadt anbietet.

Weitere Stationen auf den Spuren Jan Hus' könnte zum Beispiel die Kirche Maria Schnee nahe dem Wenzelsplatz und das Neustädter Rathaus am Karlsplatz sein. Maria-Schnee, höchster Kirchenbau Prags, der sogar den Veitsdom überragt, war Zentrum der radikalen Hussiten. Von hier aus zog der bereits erwähnte Prediger von Selau mit aufgewiegelten Bürgern zum Neustädter Rathaus, wo es 1419 zum ersten Prager Fenstersturz kam.

Für die Ratsherren endete dieser Fall tödlich - im Gegensatz zum Fenstersturz 1618 auf der Burg, als die betroffenen Beamten sanft auf einem Misthaufen landeten. Auf dem Weg von Maria-Schnee zum Neustädter Rathaus kommt man übrigens auf der Jungmanova am Jan-Hus-Haus vorbei, dem Sitz der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder.

Im Haus ist auch die "Church-Pension" beheimatet - preiswerte Alternative für Einzelgäste und Gruppen, die Wert auf zentrale Lage und ausgiebiges Frühstück legen, aber auf den Komfort eines Mehr-Sterne-Hauses gut verzichten können. Wer den Hus-Spaziergang noch mit einer längeren Straßenbahnfahrt an den Stadtrand abrunden will, kann mit der Tram-Linie 22 bis nach Bílá Hora hinausfahren. Bei der Schlacht am "Weißen Berg" wurde 1620 von den Habsburgern das "Protestantenheer" der böhmischen Adeligen vor den Toren Prags völlig aufgerieben. Ein Grabmal auf dem Hügel erinnert an diesen Kampf, dessen Ausgang für mehrere Jahrhunderte weitreichende Folgen für Böhmens Stellung im Habsburger Reich und für die Protestanten im Lande haben sollte.

Pensionsleiter Miloslav Storek spricht deutsch und englisch.